Marktposition ausgebaut – mithilfe des Know-hows der Lieferanten

Durch eine gemeinsam mit dem Technischen Handel entwickelte Klebstoff- und Produktionstechnologie konnte die emv AG mit einem innovativen zementfreien Fassadenelement in die Serienfertigung gehen und weiter wachsen.

Klebetechnik

 

Viele Unternehmen gründen ihre Wachstumsstrategie auf innovative Produkte. Diesen Weg beschreitet auch Dirk Giessler. Mit Elan und Tatendrang arbeitet er an neuartigen Lösungen im Baubereich. Auf diese Weise hat er die emv AG mit Sitz in Bahlingen bei Freiburg i. B. in wenigen Jahren zum größten Sandwichplattenhersteller in Süddeutschland entwickelt.

Doch selbst ein Energiepaket wie emv-Geschäftsführer Dirk Giessler stößt mit seinen Produktplänen hin und wieder an Grenzen. Wie zuletzt bei der Entwicklung einer effizienten Systemlösung zur Fassadendämmung. Dabei waren die Marktchancen dafür selten größer als in den vergangenen Jahren: Der Bausektor boomte, entsprechend knapp waren die Kapazitäten. Alles muss schnell gehen, vom ersten Spatenstich bis zum Innenausbau, trotz fehlender Fachkräfte und Abstimmungsproblemen unter den Gewerken.

Die emv AG fasste den Plan, zementfreie Bauelemente mit einer innovativen Klebung vorzufertigen und der Fassadenindustrie als Schnell-Einbau-Lösung anzubieten. Eine dünne Verklebung sollte den dickschichtigen Trockenmörtel ersetzen. Damit sollte es dem Malerhandwerk möglich werden, unabhängig von anderen Gewerken in kurzer Zeit ein Wärmedämmverbundsystem (WDVS) zu installieren.

Der entscheidende Faktor: die richtige Klebstoffmischung

Auf Basis von Steinwolle oder Schaumstoff sollten in den emv-Werkstätten die fertigen Isolierplatten entstehen. In eigenen, selbst konfigurierten Anlagen (Hydraulikpressen, Leimauftragsmaschinen mit Transferwalzen) würde das Rohmaterial mit einer speziell entwickelten Folie umweltbeständig beschichtet, also für „Heavy-Duty-Areas“ beklebt. Was in der Theorie euphorisch stimmte, führte in der praktischen Produktentwicklung unerwartet schnell zur Frustration.

Denn keiner der Klebstoffe aus ungezählten Baumärkten und Webshops wollte die Komponenten dauerhaft zu einer Isolierplatte zusammenfügen. „Versuch nach Versuch scheiterte, das Ausprobieren in Eigenregie war wirklich nicht zielführend“, erinnert sich emv-Inhaber Dirk Giessler. In der Rückschau bedauert er: „Wir haben große Mengen an unterschiedlichen Klebern vergeudet und viel Zeit verloren.“

Kurz vor der Aufgabe des Projekts fiel die Entscheidung, fachmännische Hilfe zu holen. Im nahen Freiburg stieß die emv AG auf den Technischen Händler Maertin. Giessler: „Ab diesem Zeitpunkt nahm die Sache professionelle Formen an und meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter schöpften schnell wieder Mut.“

Gilt die Maertin & Co. AG in der Region bereits seit 1949 als eine gute Adresse für jeglichen Industriebedarf, hatte die emv-AG dennoch Glück, dass dort auch die Klebstoffsparte zuhause ist. Stephanie Maertin, die gemeinsam mit Ehemann Stephan Maertin in vierter Generation die Geschäfte leitet, erläutert: „Wir beschäftigen seit sieben Jahren eigene Klebfachkräfte. Denn das Kleben gilt als eine Schlüsseltechnik des 21. Jahrhunderts. In der Nachfolge des Nähens, Nietens und Schweißens ist das Kleben die maßgebliche Verbindungstechnik unserer Zeit.“ Dabei verweist Maertin beispielhaft auf die Leichtbauweise, die sich im Fahrzeugbau durchgesetzt hat.

Analog zum Weiterbildungsangebot in der Schweißtechnik kann die Qualifizierung zur Klebfachkraft (englisch European Adhesive Specialist, kurz EAS) nur in dafür zugelassenen Bildungseinrichtungen erfolgen. Den Rahmen der Weiterbildung und Prüfung zur Klebfachkraft legen die harmonisierten Richtlinien DVS-EWF 3301 für Deutschland fest.

Um das interne klebtechnische Produkt- und Anwendungswissen zu pflegen und auszubauen, gründete Maertin außerdem im Mai 2019 mit 20 anderen Technischen Händlern eine Fachgruppe „Klebtechnik“ im VTH Verband Technischer Handel e.V. Die Zahl der Mitglieder ist seitdem auf bereits 25 gestiegen, wie Diplom-Kauffrau Nadine Lorenz für die VTH-Geschäftsführung auf Anfrage mitteilt. Angesichts von insgesamt 240 Verbandsmitglieder im D-A-CH-Gebiet sei eine weitere Vergrößerung des Expertennetzwerkes absehbar.

Das Learning: Die Expertise der Vorlieferanten ohne Hemmungen nutzen

Einer der Maertin-Klebfachkräfte, Frank Heitzmann, schaltete sich sodann in die Forschung- und Entwicklung der emv-AG ein. Angesichts einer Angebotsbreite von rund 35.000 Klebstoffprodukten erklärte er, warum das gutgläubige Ausprobieren einzelner Produkte nicht auf die Erfolgsspur führte. Vor dem Hintergrund einer geplanten Serienproduktion riet Heitzmann der emv-Mannschaft, zusätzlich einen erfahrenen Markenhersteller wie Henkel, Sika oder Technicoll hinzuzuziehen. Seine persönlichen Kontakte stellte der Maertin-Fachberater dafür gerne zur Verfügung.

Aus dem zweieinhalb Autostunden entfernten Bad Urach fand Diplom-Kaufmann Rolf Haffelder, Verkaufsleiter bei der Sika Deutschland GmbH, schon bald Zeit für einen Besuch in Bahlingen. Der Zulieferer des Technischen Handels entwickelt in seinen Forschungszentren innovative Produkte für das Kleben und Dichten am Bau und in der Industrie. Haffelder kann sich für solche Entwicklungsprojekte begeistern, wie er bekennt: „Was gibt es Befriedigenderes, als in einem motivierten Team an der Neuentwicklung eines Produktes mitzuarbeiten?“ Die drei Partner emv, Maertin und Sika verabredeten die Abmischung eines Spezialklebstoffs und umfangreiche Klebtests mit wissenschaftlichem Anspruch. Auf diesem Wege fand die emv-AG nicht nur zu einem hochleistungsfähigen Mehrkomponenten-Klebstoff, sondern erhielt on top auch Ratschläge zur Anlagentechnik und für eine sparsame und schnelle Verarbeitung.

Dank der Inanspruchnahme des Know-hows seiner Lieferanten konnte die emv AG ihre starke Marktposition als OEM-Produzent für die Fassadenindustrie mit einem innovativen Produkt festigen. Ermutigt durch den jüngsten Erfolg wollen sich Dirk Giessler und sein Team nun an Hybridlösungen trauen, an die sie vorher nicht zu denken wagten. Die Zusammenarbeit mit Maertin und Sika ist inzwischen so intensiv, dass daraus laufend neue Produktideen entstehen. Dazu zählen Dämmelemente mit integrierten Hilfen für den Artenschutz (Nistplätze) oder für die Begrünung von Wärmedämmverbundsystemen, die damit ein ganz neues Umweltimage bekämen.


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